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The Lamperts - Die Entdeckung

Laura entdeckt in dieser Zeit ihre Passion für den typischen Kentucky-Fiddle-Bluegrass Sound, während Lorenz sich mehr zu dem aus dem Süden des Landes nach Chicago importierten, melancholischen Mississippi-Delta-Blues hingezogen fühlt. Die aufkeimende Leidenschaft für die amerikanische Volksmusik lässt die Beiden einen schicksalhaften Schritt wagen: sie wollen einen Schlussstrich unter ihren liederlichen, halbseidenen Lebensstil ziehen und sie beschliessen, in Richtung Süden aufzubrechen. Allerdings kommt es wegen Lorenz’ horrenden Spielschulden immer wieder zu Handgreiflichkeiten mit den Geldeintreibern der Schattenwirtschaft, was dazu führt, dass sich die beiden nicht nur im Milieu einen Namen machen, sondern auch in den Verhörräumen der Polizeistationen mehrerer Städte keine Unbekannten mehr sind.

Der Aufbruch ins “Motherland of Blues” ist also nicht etwa die romantische Idee von der künstlerischen Selbstverwirklichung, sondern eine Flucht vor der amerikanischen Polizei durch mehrere Bundesstaaten, entlang des Mississippi Rivers bis nach New Orleans. Dort findet Lorenz nach langer Suche endlich wieder einen anständigen Job: im Frachthafen kann er beim Beladen von Lastwagen stundenweise den einen oder anderen Cent dazu verdienen. Durch seine rustikale, liechtensteinische, zupackende Art (Choleriker) findet er schnell nicht nur Freunde. Unter seinen wohlgesinnten Feinden befindet sich auch Jonny “The Punch” Wilson, ein ausgefuchster Musikproduzent, der für die Muddy Riverside Recording Studios auf der Suche nach frischen, naiven Talenten ist: Für einen Dollar Gage sollen diese, so sein ausgefuchstes Geschäftsmodell, gleich mehrere Bluesnummern aufnehmen und dabei allle ihre Rechte an die Plattenfirma abtreten.

Unerfahren wie Lorenz ist, geht er auf einen Deal ein: Spielschuldenerlass bei Jonny gegen eine exklusive Aufnahme des “Missing Rhinevalley Blues” den Lorenz jeweils nach ein paar Southern Comforts zu viel in der Bluebay Bar zum Besten gibt, und zwar in astreinem Vaduzner Dialekt (“Domma am junga Rii wet i weder sii”). Von dieser Aufnahme ist nur noch ein Fragment vorhanden, das in den Archiven der TNLTNHCHCS (The National Library of the Native American Cultural Heritage Conservation Society) liegt. Auf diesem Tondokument ist neben Lorenz und einem unbekannten Begleitgitarristen auch die Stimme von Laura zu hören, die im Refrain jeweils “weder sii, weder sii, wörklig weder sii” intoniert.

Der unerwartete Erfolg der Platte (die Muddy Riverside Recording Studios verkaufen 432 Tonträger von dieser Aufnahme) und das damit verbundene Missverständnis von Lorenz, der glaubt, er würde an den Plattenverkäufen beteiligt, führt bald zum Bruch mit Jonny “The Punch” Wilson, der sich, sofern man der Legende Glauben schenken mag, mit dem gesamten 1927er-Jahresumsatz der Muddy Riverside Recording Studios aus dem Staub gemacht haben soll. Und wieder einmal sind die beiden Vaduzner Auswanderer Opfer ihrer eigenen Leichtgläubigkeit geworden.